Welche Prozesse sollten Unternehmen zuerst digitalisieren?

Welche Prozesse zuerst digitalisieren? Bewertungsmodell für Geschäftswirkung, Aufwand, Regelklarheit, Daten, Abhängigkeiten und Pilotwahl.
Welche Prozesse sollten Unternehmen zuerst digitalisieren?
Unternehmen sollten nicht die Prozesse zuerst digitalisieren, über die am lautesten geklagt wird. Ein lästiger Freigabeschritt kann sichtbar sein und trotzdem wenig Geschäftswirkung besitzen. Ein unscheinbarer manueller Datenabgleich kann dagegen Angebot, Einsatzplanung und Abrechnung gleichzeitig verzögern.
Die richtige Reihenfolge verbindet Nutzen, Umsetzbarkeit und Abhängigkeiten. Ein geeigneter Startprozess erzeugt messbare Wirkung, besitzt einen ausreichend klaren Standardfall und lässt sich mit verfügbarer Fachkapazität betreiben. Ein wichtiges, aber ungeklärtes Großprojekt ist selten der beste erste Pilot.
Prozesse zuerst digitalisieren: Die fünf Grundfragen
Vor jeder Punktbewertung sollten fünf Fragen beantwortet werden:
- Welches Geschäftsproblem begrenzt der Prozess?
- Wie häufig tritt er auf und wie viel manuelle Arbeit entsteht?
- Sind Standardfall, Ausnahmen und Verantwortlichkeiten ausreichend klar?
- Sind benötigte Daten und Systeme zugänglich?
- Kann das Unternehmen Analyse, Test, Einführung und Betrieb fachlich begleiten?
Fehlt eine Antwort, ist das kein automatisches Ausschlusskriterium. Es zeigt, welche Grundlage vor der technischen Umsetzung benötigt wird.
Eine Prozess- und Digitalisierungsberatung ist besonders sinnvoll, wenn mehrere Bereiche unterschiedliche Prioritäten vertreten oder technische Abhängigkeiten intern schwer einzuschätzen sind.
Warum der sichtbarste Prozess nicht automatisch Vorrang hat
Sichtbare Probleme ziehen Aufmerksamkeit an. Viele Telefonanfragen, lange Papierwege oder eine unübersichtliche Tabelle wirken wie eindeutige Startpunkte. Die Ursache kann jedoch an einer anderen Stelle liegen.
Kunden rufen möglicherweise nach dem Auftragsstatus, weil Vertrieb und Betrieb unterschiedliche Status verwenden. Ein Portal würde die Rückfragen nicht lösen, solange die Daten unzuverlässig sind. Die notwendige erste Maßnahme ist dann die Definition von Auftragsstatus und führenden Quellen.
Auch Führungskräfte priorisieren häufig nach persönlichem Bereich. Der Vertrieb fordert ein CRM, die Buchhaltung ein neues Belegsystem und der Betrieb eine mobile App. Alle drei Vorhaben können dieselben Kunden-, Auftrags- oder Leistungsdaten benötigen. Ohne gemeinsame Sicht entstehen neue Insellösungen.
Die unternehmensweite Prozessübersicht sollte den vollständigen Wertstrom und nicht nur eine Abteilung betrachten. Für die belastbare Ist-Aufnahme zeigt der veröffentlichte Leitfaden Geschäftsprozesse analysieren das passende Vorgehen.
Kriterium 1: Geschäftswirkung
Ein Prozess erhält Priorität, wenn seine Verbesserung ein relevantes Ergebnis verändert:
- mehr qualifizierte Anfragen oder Buchungen
- schnellere Angebote
- geringerer Verwaltungsaufwand
- kürzere Zeit bis zur Rechnung
- weniger Fehler und Nacharbeit
- bessere Kapazitätsnutzung
- verlässlichere Kundenkommunikation
„Papierlos“ oder „moderner“ sind keine ausreichenden Wirkungen. Das Ziel muss auf einen konkreten Ablauf und eine intern messbare Kennzahl bezogen sein.
Bei einem Angebotsprozess können Bearbeitungszeit, Rückfragen und Korrekturen relevant sein. Bei einer Buchung zählen vollständige Abschlüsse, Abbruchpunkte und nachgelagerte Supportfälle.
Kriterium 2: Häufigkeit und manueller Aufwand
Ein kurzer Handgriff kann ein großer Hebel sein, wenn er hunderte Male wiederholt wird. Ein mehrstündiger Sonderprozess kann nachrangig bleiben, wenn er nur selten vorkommt.
Gemessen werden nicht nur aktive Minuten. Dazu gehören:
- Dateneingaben
- Suchen und Rückfragen
- Wartezeit zwischen Rollen
- Korrekturen
- Nachverfolgung
- wiederholte Statuskommunikation
Für die Aufwandserhebung werden reale Vorgänge verfolgt und jede Übertragung, Suche sowie Wartezeit markiert.
Die Prozessmenge muss nicht perfekt bekannt sein. Ein begrenzter Beobachtungszeitraum kann eine belastbare Größenordnung liefern. Ungeprüfte Schätzungen bleiben als Annahme gekennzeichnet.
Ausgangswerte erheben, ohne ein Messprojekt zu starten
Für eine erste Priorisierung reicht oft eine Stichprobe aus typischen Vorgängen. Sie sollte jedoch unterschiedliche Mitarbeiter, Wochentage und relevante Fallvarianten enthalten. Sonst wird beispielsweise nur der störungsfreie Standardfall gemessen, während Rückfragen, fehlende Unterlagen und Korrekturen unsichtbar bleiben.
Eine einfache Erhebung trennt vier Größen:
- aktive Bearbeitungszeit
- Liege- und Wartezeit
- Zahl der Rollen- oder Systemwechsel
- Häufigkeit von Rückfragen, Korrekturen und Abbrüchen
Die Werte werden nicht vorschnell zu einer vermeintlich exakten Jahresersparnis hochgerechnet. Zunächst zeigen sie, welcher Prozess näher untersucht werden sollte. Bei stark schwankenden Vorgangsmengen werden Spannweiten verwendet. Saisonale Betriebe vergleichen außerdem normale und stark ausgelastete Zeiträume.
Besonders aufschlussreich ist die Ursache der Wartezeit. Bleibt ein Angebot liegen, weil ein Preis manuell gesucht wird, kann eine zentrale Preislogik helfen. Wartet es auf eine fachliche Sonderfreigabe, braucht der Prozess eine andere Lösung. Dieselbe gemessene Dauer führt damit zu unterschiedlichen Digitalisierungsmaßnahmen.
Kriterium 3: Regelklarheit und Varianten
Digitalisierung funktioniert besonders gut, wenn Eingaben, Regeln und Ergebnis nachvollziehbar sind. Das bedeutet nicht, dass keine Ausnahmen existieren dürfen.
Ein geeigneter Prozess besitzt:
- einen definierten Auslöser
- notwendige Pflichtinformationen
- einen häufigen Standardfall
- beschreibbare Entscheidungen
- bekannte wichtige Ausnahmen
- einen fachlichen Endzustand
Wenn jeder Mitarbeiter denselben Fall anders entscheidet, sollte zunächst der Prozess geklärt werden. Eine Automatisierung würde die Uneinigkeit lediglich in Konfiguration übersetzen.
Die Prozessoptimierung im Unternehmen hilft, notwendige Ausnahmen von historischen Umwegen zu trennen.
Kriterium 4: Daten und Systemzugang
Ein hoher Nutzen reicht nicht, wenn benötigte Daten weder verlässlich noch zugänglich sind. Ein digitales Buchungssystem benötigt Leistungen, Preise und Kapazitäten. Eine mobile Serviceanwendung braucht eindeutige Kunden-, Anlagen- und Auftragsdaten.
Geprüft werden:
- führende Datenquelle
- Datenqualität
- eindeutige Schlüssel
- verfügbare Schnittstellen oder Exporte
- Berechtigungen
- Fehler- und Korrekturweg
Fehlende Daten bedeuten nicht, dass das Vorhaben entfällt. Die Datenklärung kann als vorbereitendes Projekt priorisiert werden.
Bei mehreren Systemen ist eine API-Entwicklung erst sinnvoll, nachdem fachliche Datenhoheit und Status geklärt sind.
Kriterium 5: Fehlerfolge und Risiko
Ein Prozess mit hoher Fehlerfolge benötigt besondere Kontrollen. Automatisierung kann Fehler reduzieren, aber auch schneller verteilen.
Digitalisierungs-Reifegrad
Wie digital ist Ihr Unternehmen wirklich? Score + Roadmap.
- Digitalisierungs-Score 0–100
- Reifegrad: Anfänger bis Digital Leader
- Priorisierte Roadmap
- Bericht per E-Mail
Relevant sind:
- finanzielle Folgen
- Kundenwirkung
- Sicherheits- oder Qualitätsrisiko
- schwierige Korrektur
- fehlende Erkennbarkeit
- Ausfallabhängigkeit
Ein seltener sicherheitskritischer Prüfprozess kann wichtiger sein als ein häufiger interner Antrag. Er ist aber möglicherweise kein geeigneter erster Automatisierungspilot. Priorität und Pilotfähigkeit sind unterschiedliche Fragen.
Kriterium 6: Fachkapazität und Verantwortung
Ein Dienstleister kann Technik umsetzen, aber keine internen Preis-, Freigabe- oder Leistungsregeln erfinden. Prozessverantwortliche müssen Fälle liefern, Entscheidungen treffen, Tests abnehmen und den Betrieb begleiten.
Geprüft werden:
- fachlicher Eigentümer
- verfügbare Mitarbeiter für Analyse und Tests
- Entscheidungsgeschwindigkeit
- Schulungs- und Einführungsaufwand
- spätere Betriebsverantwortung
Ein Prozess kann einen hohen Nutzen besitzen und trotzdem zurückgestellt werden, wenn dieselben Fachkräfte bereits eine ERP-Migration begleiten. Zu viele parallele Projekte erhöhen das Risiko für alle Vorhaben.
Kriterium 7: Abhängigkeiten und Wiederverwendbarkeit
Grundlagenprojekte besitzen oft eine geringe direkte Sichtbarkeit, ermöglichen aber mehrere spätere Vorhaben.
Eindeutige Kunden- und Auftragsdaten können CRM, Portal, Reporting und Automatisierung tragen. Eine zentrale Berechtigungsstruktur kann mehrere digitale Anwendungen absichern.
Umgekehrt kann ein attraktives Frontend von ungeklärten Grundlagen abhängen. Ein Kundenportal sollte nicht vorgezogen werden, wenn Status und Dokumente aus den Bestandssystemen nicht verlässlich verfügbar sind.
Eine Softwarearchitektur für Digitalisierungsprojekte macht solche System- und Datenabhängigkeiten sichtbar.
Abhängigkeiten in eine umsetzbare Reihenfolge übersetzen
Abhängigkeiten sollten nicht pauschal als Blockade behandelt werden. Entscheidend ist, welche Voraussetzung zwingend vor dem Pilot stehen muss und welche während eines begrenzten Tests ersetzt werden kann.
Benötigt ein digitaler Einsatzbericht eine eindeutige Auftragsnummer, muss diese Kennung vor dem Test feststehen. Eine vollständige Bereinigung aller historischen Kundendaten ist dafür möglicherweise noch nicht nötig. Im Pilot kann ein abgegrenzter Kunden- und Anlagenbestand verwendet werden. So bleibt die spätere Architektur im Blick, ohne das Vorhaben an einer unternehmensweiten Datenbereinigung festzuhalten.
Für jeden Kandidaten werden daher drei Arten von Abhängigkeiten dokumentiert:
- zwingende Voraussetzungen: Ohne sie kann der Prozess fachlich oder technisch nicht funktionieren.
- begrenzbare Voraussetzungen: Sie lassen sich für eine Zielgruppe, einen Standort oder einen Vorgangstyp vorläufig eingrenzen.
- nachgelagerte Ausbaustufen: Sie erhöhen Reichweite oder Komfort, sind aber für den Wirkungsnachweis nicht erforderlich.
Diese Trennung verhindert zwei typische Fehler. Einerseits beginnt das Unternehmen kein Frontend, dessen Kerndaten ungeklärt sind. Andererseits wird aus einem überschaubaren Pilot kein mehrjähriges Grundlagenprogramm, nur weil spätere Ausbaustufen bereits bekannt sind.
Bewertungsmatrix für die Prozessauswahl
Eine einfache Skala von 0 bis 3 schafft Vergleichbarkeit:
| Kriterium | 0 Punkte | 3 Punkte |
|---|---|---|
| Geschäftswirkung | kaum relevante Wirkung | klarer Einfluss auf Umsatz, Marge oder Qualität |
| Häufigkeit | selten | sehr häufig |
| manueller Aufwand | gering | hohe Übertragung, Suche oder Nacharbeit |
| Regelklarheit | überwiegend unklar | Standardfall und Ausnahmen nachvollziehbar |
| Datenzugang | Daten fehlen oder sind unzugänglich | Daten sind ausreichend verfügbar |
| Fehlerfolge | gering | hoch oder kundenkritisch |
| Fachkapazität | keine Verantwortung verfügbar | Eigentümer und Testkapazität vorhanden |
| Abhängigkeit | isolierter Prozess | ermöglicht mehrere weitere Vorhaben |
Die Summe ist kein automatischer Beschluss. Hohe Fehlerfolge kann zusätzliche Vorarbeit verlangen. Ein Prozess mit geringer Regelklarheit kann strategisch wichtig sein, aber zuerst eine Fachanalyse benötigen.
Jede Bewertung erhält deshalb eine kurze Begründung und einen Vertrauensgrad. Wenn die Datenlage schwach ist, wird der Wert vorläufig markiert.
Nutzen und Umsetzbarkeit getrennt darstellen
Eine zweidimensionale Einordnung verhindert, dass nur einfache oder nur große Projekte ausgewählt werden.
Hoher Nutzen, hohe Umsetzbarkeit
Geeignete Pilotkandidaten. Wirkung und Voraussetzungen sind ausreichend klar.
Hoher Nutzen, geringe Umsetzbarkeit
Strategisch wichtige Vorhaben. Zuerst werden Daten, Regeln, Systeme oder Verantwortung geklärt.
Geringer Nutzen, hohe Umsetzbarkeit
Mögliche Quick Wins. Sie sind sinnvoll, wenn sie Lernwert besitzen oder wenig Fachkapazität binden. Eine lange Liste kleiner Verbesserungen darf wichtigere Grundlagen nicht verdrängen.
Geringer Nutzen, geringe Umsetzbarkeit
Zurückstellen oder bewusst nicht digitalisieren.
Diese Darstellung macht sichtbar, warum das wichtigste Vorhaben nicht zwingend der erste Pilot ist.
Typische Prozesse und ihre Startbedingungen
Anfrage und Angebot
Hohe Wirkung entsteht bei vielen Rückfragen, manueller Kalkulation und langen Freigaben. Voraussetzung sind Pflichtangaben, Preisquelle und definierte Abweichungen.
Termin und Buchung
Geeignet bei hohem Telefonaufwand und klar buchbaren Leistungen. Voraussetzung sind verlässliche Kapazitäten, Storno- und Zahlungsregeln.
Die MobiKart-Fallstudie dokumentiert einen konkreten digitalen Buchungsprozess. Die dort genannten Ergebnisse sind projektspezifisch und keine allgemeine Prognose.
Serviceeinsatz und Abrechnung
Geeignet bei fehlenden Leistungsnachweisen, Nachfragen und verzögerter Rechnung. Voraussetzung sind eindeutige Aufträge, Pflichtangaben und ein Ausnahmeweg.
Eingangsrechnung und Freigabe
Geeignet bei häufigen Rechnungen und nachvollziehbaren Freigabegrenzen. Fachliche sowie rechtliche Rahmenbedingungen müssen zum Unternehmen passen.
Automatisierungs-Potenzial
Wie viel Zeit und Geld steckt in manuellen Prozessen?
- Stunden-Einsparung pro Woche
- Kosten-Einsparung in €/Jahr
- ROI-Zeitraum berechnet
- Ergebnis per E-Mail
Interne Anträge
Gut als begrenzter Lernpilot, wenn Regeln klar sind. Die unmittelbare Geschäftswirkung kann jedoch geringer sein als bei kunden- oder umsatznahen Prozessen.
Prozesse, die nicht zuerst digitalisiert werden sollten
Ungeeignet als Start sind häufig:
- seltene, stark individuelle Vorgänge
- Prozesse ohne verantwortlichen Eigentümer
- Abläufe mit widersprüchlichen Grundregeln
- Vorhaben auf einem bald abzulösenden System
- Prozesse ohne zugängliche Daten
- geschäftskritische Abläufe ohne testbaren Teilumfang
- Projekte, deren Nutzen nur aus einem Produktversprechen stammt
Zurückstellen bedeutet nicht ablehnen. Die fehlende Voraussetzung wird als eigenes Arbeitspaket dokumentiert.
Den ersten Pilotprozess auswählen
Ein Pilot soll eine wichtige Annahme prüfen und zugleich beherrschbar bleiben.
Ein geeigneter Pilot besitzt:
- klar begrenzte Prozessvariante
- definierte Zielgruppe oder Standort
- vorhandene Ausgangswerte
- messbare Wirkung
- realistische Fehlerfälle
- verfügbare Fachverantwortung
- Entscheidungskriterien für Ausbau, Anpassung oder Stopp
Ein interner Urlaubsantrag kann technisch leicht sein, liefert aber wenig Erkenntnis für einen komplexen Kundenprozess. Der Pilot sollte genügend Ähnlichkeit zu späteren Vorhaben besitzen, damit sein Lernwert über die Einzellösung hinausgeht.
Vor dem Pilot festlegen, was danach entschieden wird
Ein Pilot ist kein unverbindlicher Testbetrieb. Vor dem Start werden Schwellen und Beobachtungen festgelegt, die eine Entscheidung ermöglichen. Dazu gehören die erreichte Nutzungsquote der vorgesehenen Mitarbeiter, vollständige Datensätze, Bearbeitungszeit, Fehlerfälle und der Aufwand für Support oder Nachpflege.
Die Bewertung braucht neben quantitativen Werten auch konkrete Abbruchgründe. Wenn Mitarbeiter einen digitalen Einsatzbericht umgehen, kann die Ursache eine ungeeignete mobile Bedienung, eine fehlende Auftragszuordnung oder eine fachlich unnötige Pflichtangabe sein. Die Aussage „Akzeptanz fehlt“ wäre zu ungenau, um das System sinnvoll anzupassen.
Nach dem vereinbarten Zeitraum gibt es drei belastbare Entscheidungen:
- Ausbauen: Wirkung und Betriebsfähigkeit sind nachgewiesen; weitere Standorte oder Varianten können folgen.
- Anpassen und erneut prüfen: Der Prozess ist grundsätzlich geeignet, aber eine klar benannte Annahme hat sich nicht bestätigt.
- Stoppen oder zurückstellen: Nutzen, Datenlage oder Betriebsaufwand rechtfertigen den Ausbau nicht.
Auch ein Stopp kann ein gutes Ergebnis sein. Er verhindert, dass weitere Entwicklungskosten in eine falsche Annahme fließen. Voraussetzung ist, dass Entscheidungskriterien vorab vereinbart wurden und das Projekt nicht allein wegen bereits investierter Arbeit fortgesetzt wird.
Wirtschaftlichkeit vor der Umsetzung prüfen
Die heutige Prozessleistung wird mit Einführung und Betrieb verglichen.
Heutiger Aufwand:
- Bearbeitungszeit
- Wartezeit
- Rückfragen
- Korrekturen
- Fehlerfolgen
- verlorene oder abgebrochene Vorgänge
Künftiger Aufwand:
- Analyse und Konfiguration
- Entwicklung und Integration
- Datenbereinigung und Migration
- Tests und Schulung
- Lizenzen oder Hosting
- Support, Monitoring und Anpassung
Nicht jeder manuelle Prozess muss einen positiven Einzel-ROI besitzen. Sicherheit, Ablösung oder eine strategische Datengrundlage können andere Ziele verfolgen. Diese Begründung muss sichtbar sein.
Praxisbeispiel: Vier Prozesse, ein sinnvoller Start
Das folgende Beispiel ist hypothetisch. Ein Wartungsbetrieb bewertet CRM-Einführung, digitale Einsatzberichte, automatisierte Rechnungsfreigabe und ein Kundenportal.
Das Portal verspricht hohe Kundenwirkung, benötigt aber verlässliche Auftrags- und Dokumentenstatus. Das CRM ist wichtig, doch Kundendaten sind uneinheitlich. Die Rechnungsfreigabe ist leicht umsetzbar, betrifft jedoch einen begrenzten internen Aufwand.
Der digitale Einsatzbericht besitzt hohe Wirkung und gute Pilotfähigkeit. Ein Standort kann Zeit, Material und Kundenfreigabe strukturiert erfassen. Vollständige Nachweise beschleunigen die Abrechnung und liefern später verlässliche Dokumente für das Portal.
Die Reihenfolge lautet:
- Kunden-, Anlagen- und Auftragsnummern für den Pilot klären.
- Digitalen Einsatzbericht an einem Standort testen.
- Übergabe an die Abrechnung stabilisieren.
- Erkenntnisse für CRM und Portal verwenden.
- Rechnungsfreigabe unabhängig umsetzen, wenn Fachkapazität frei ist.
Die Priorisierung wählt nicht die größte Idee, sondern den Prozess, der messbare Wirkung und strategischen Lernwert verbindet.
Vom Bewertungsmodell zur Entscheidung
Wählen Sie fünf bis zehn relevante Prozesse aus einer Prozessübersicht. Bewerten Sie Geschäftswirkung, Häufigkeit, manuellen Aufwand, Regelklarheit, Datenzugang, Fehlerfolge, Fachkapazität und Abhängigkeiten.
Für die zwei stärksten Kandidaten werden reale Vorgänge analysiert. Danach entscheidet das Unternehmen, welcher Prozess als Pilot geeignet ist und welches wichtige Vorhaben zunächst Grundlagenarbeit benötigt.
Die Leistung zur digitalen Transformation unterstützt dabei, Prozesspriorität, Systemarchitektur und Umsetzung zusammenzuführen. Der erste Schritt ist keine Tool-Demo, sondern eine belastbare Prozessauswahl.
Häufige Fragen
Welche Prozesse sollte ein Unternehmen zuerst digitalisieren?
Sind einfache Prozesse immer die besten Quick Wins?
Wie bewertet man Digitalisierungspotenzial?
Welche Prozesse eignen sich nicht als erster Pilot?
Sollten kundennahe Prozesse immer Vorrang haben?
Wie viele Prozesse sollte man gleichzeitig digitalisieren?
Wie wählt man einen Pilotprozess?
Muss jeder digitalisierte Prozess einen direkten ROI haben?
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