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Digitalisierung

Digitale Zeiterfassung: Was das EuGH-Urteil für Unternehmen bedeutet

Steven Weißheimer22. Mai 20268 Min. Lesezeit

Seit dem EuGH-Urteil von 2019 und den folgenden nationalen Regelungen müssen Unternehmen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter systematisch erfassen. Was das praktisch bedeutet — und welche Tools helfen.

Zeiterfassungspflicht: Die rechtliche Ausgangslage

Im Mai 2019 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH): Arbeitgeber sind verpflichtet, die tägliche Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter systematisch zu erfassen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) bestätigte 2022, dass diese Pflicht auch in Deutschland auf Basis bestehender Rechtslage gilt.

Der Gesetzgeber arbeitet an einer expliziten gesetzlichen Regelung — bis diese in Kraft tritt, gilt die Pflicht bereits auf Basis der BAG-Entscheidung.

Was das konkret bedeutet:

  • Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit müssen erfasst werden
  • Auch Überstunden müssen dokumentiert werden
  • Das System muss verlässlich und nachprüfbar sein

Ausnahme: Leitende Angestellte, bei denen Arbeitszeit und Freiheit untrennbar verbunden sind, können ausgenommen werden.

Warum digitale Zeiterfassung besser als Stundenzettel ist

Viele Unternehmen erfassen Arbeitszeiten noch auf Papier oder in Excel. Das ist zwar rechtlich zunächst ausreichend — hat aber erhebliche Nachteile:

  • Fehleranfällig (Zahlen vergessen, unleserlich, verloren)
  • Zeitaufwendig bei der Auswertung
  • Keine Echtzeit-Übersicht über Über- und Unterstunden
  • Schwierig bei Homeoffice-Mitarbeitern oder Außendienst
  • Kein automatischer Abgleich mit Urlaubsplanung

Moderne Zeiterfassungs-Tools lösen diese Probleme und sparen gleichzeitig Verwaltungsaufwand.

Die relevantesten Zeiterfassungs-Lösungen für KMU

Clockodo — der deutsche Spezialist

Clockodo ist ein deutsches Zeiterfassungstool, das speziell für KMU entwickelt wurde.

Stärken:

  • DSGVO-konform, deutsche Server
  • Intuitive Bedienung
  • Projektzeiterfassung
  • Integration mit Buchhaltungssoftware (Lexoffice, DATEV)
  • Pausenregelungen und Überstunden-Tracking
  • App für Smartphone

Kosten: ab 5,50 €/Nutzer/Monat (bis 3 Nutzer: 9 €/Monat pauschal)

Geeignet für: Dienstleister, Agenturen, IT-Unternehmen, die Projektzeiten abrechnen.


ZEP (Zeit-Erfassung für Projekte)

ZEP ist stark bei Projekt-Zeiterfassung und wird oft in IT- und Beratungsunternehmen eingesetzt.

Stärken:

  • Detaillierte Projekt- und Auftragszeiterfassung
  • Auswertungen für Abrechnungen
  • Integration mit Lohnbuchhaltung

Kosten: ab 9 €/Nutzer/Monat


Personio (HR-Suite mit Zeiterfassung)

Für Unternehmen, die eine vollständige HR-Lösung suchen: Personio kombiniert Zeiterfassung, Urlaubsverwaltung, Onboarding und HR-Dokumentation.

Stärken:

  • Alles-in-einem: Zeiterfassung + HR
  • Sehr gute Urlaubsplanung
  • DSGVO-konform

Kosten: ab 3,28 €/Mitarbeiter/Monat (mindestens ca. 160 €/Monat bei 10 Mitarbeitern)

Geeignet für: Unternehmen ab ca. 10 Mitarbeitern, die HR digitalisieren wollen.


Microsoft 365 Viva Insights / Teams

Wer Microsoft 365 nutzt, kann mit Viva Insights und Teams-Integrationen einfache Zeiterfassungslösungen aufbauen. Für komplexere Anforderungen sind spezialisierte Tools besser.


Harvest — international, auch für remote Teams

Harvest ist besonders bei remote-arbeitenden Teams und internationalen Unternehmen beliebt.

Kosten: Kostenlos bis 1 Nutzer/2 Projekte, danach 12 $/Nutzer/Monat


Einfache Alternativen für sehr kleine Teams

Toggl Track: Kostenlos bis 5 Nutzer, sehr einfach, gut für Freelancer und kleine Teams. Keine Lohnbuchhaltungsintegration.

TimeTac: Österreichisches Tool, gut für Stempeluhr-Szenario (Terminals in der Werkstatt).

Zeiterfassung im Handwerk: Besonderheiten

Für Handwerksbetriebe gibt es spezifische Anforderungen:

  • Mitarbeiter arbeiten auf verschiedenen Baustellen/Einsatzorten
  • Reise- und Fahrtzeiten müssen erfasst werden
  • Materialeinsatz pro Auftrag

Spezialisierte Lösungen: Mein Zählerstand, Handwerkersoftware mit integrierter ZE (z.B. Günstiger Macher, handwerk.io)

Was bei der Einführung zu beachten ist

Betriebsrat einbeziehen

In Betrieben mit Betriebsrat hat dieser ein Mitbestimmungsrecht bei der Einführung von Zeiterfassungssystemen. Sprechen Sie die Einführung frühzeitig ab.

Datenschutz

Zeiterfassungsdaten sind personenbezogene Daten. Anforderungen:

  • Datenschutzerklärung für Mitarbeiter
  • AVV mit dem Softwareanbieter
  • Zweckbindung: Daten nur für Arbeitszeiterfassung, nicht für Leistungsüberwachung
  • Zugriffsrechte: Mitarbeiter sehen nur eigene Daten, Vorgesetzte die ihres Teams

Prozess definieren

Vor der Einführung: Klären Sie, was erfasst werden muss:

  • Nur An-/Abwesenheit?
  • Pausen?
  • Projektzeiten für Abrechnung?
  • Fahrtzeiten?

Je klarer der Prozess, desto einfacher die Akzeptanz im Team.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich eine spezielle Software nutzen oder reicht Excel? Excel ist rechtlich zunächst nicht ausgeschlossen, aber in der Praxis fehleranfällig und aufwendig. Eine moderne Software macht die Verwaltung deutlich einfacher und die Daten revisionssicherer.

Gilt die Zeiterfassungspflicht auch für Homeoffice? Ja — auch Homeoffice-Zeiten müssen erfasst werden. Digitale Tools sind hier klar im Vorteil, da Mitarbeiter die Zeiten direkt am Computer erfassen können.

Können Mitarbeiter ihre Zeiten selbst korrigieren? Das hängt von den Einstellungen des Systems und der internen Regelung ab. Üblich ist: Mitarbeiter können eigene Zeiten bis zu einer bestimmten Frist nachträglich korrigieren, Vorgesetzte genehmigen Änderungen.

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